von Dr. jur. Imke Wulfmeyer, Rechtsanwältin und Mediatorin (BAFM/BM), Leiterin der Mediationsausbildung Consensus Campus
16.03.2020 - 16.03.2021
„Genau ein Jahr ist der erste Lockdown jetzt her – was waren Eure interessantesten neuen Entdeckungen oder Erfahrungen in diesem Jahr, die Ihr ohne die Corona-Einschränkungen wahrscheinlich nicht gemacht hättet?“ So eröffnen meine Kollegin Sabine Schnarrenberger und ich am vergangenen Wochenende das 2. Modul des Ausbildungslehrgangs zum zertifizierten Mediator (m/w/d), wie immer mit einer kleinen Begrüßungsrunde zum Warmwerden.
Wir befinden uns auf dem virtuellen CONSENSUS Campus, mit anderen Worten: Ich sitze vor dem Bildschirm in meiner Kanzlei in Stuttgart, auf dem meine Trainer-Kollegin Sabine und neun angehende Mediatorinnen und Mediatoren aus ganz Deutschland zu sehen sind. Das ist nun schon die zweite Live Online-Ausbildungsgruppe, die sich in diesem Jahr mit uns auf eine spannende Lernreise begeben hat. In fünf dreitägigen Modulen, jeweils an einem langen Wochenende im Monat, werden die Teilnehmenden im professionellen Konfliktmanagement ausgebildet. Was für eine starke Gruppe ist da wieder zusammengekommen: von der Geschäftsführerin eines mittelständischen Familienunternehmens der Automotive-Branche über die Personalleiterin, den Banker, den selbstständigen Unternehmensberater und Coach bis zur Sprachförderlehrerin aus dem Bereich Inklusion und Integration. Allesamt hochqualifizierte Menschen von Ende Zwanzig bis Anfang sechzig, von denen einige diesen Kurs besuchen, um ihre Kommunikations- und Führungskompetenz zu verbessern, während andere haupt- oder nebenberuflich als selbstständige Mediator*innen arbeiten möchten.
Und wie lauten nun die Antworten auf unsere Einstiegsfrage? Wurden während des Lockdowns die Vorzüge des Homeoffice oder die Reize des Naherholungsgebietes um die Ecke entdeckt? Das auch, aber knapp die Hälfte der Teilnehmenden überrascht uns mit dieser Aussage: „Durch Corona bin ich erst auf die Idee gekommen, eine Mediationsausbildung zu machen – und das war für mich die beste Entdeckung des letzten Jahres!“
Ein Flashback-Moment - spontan muss ich daran denken, wie ich vor genau einem Jahr über den soeben verkündeten Leitlinien zur Kontaktbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie brütete und mir den Kopf zerbrach. Zusammenkünfte in sämtlichen Bildungseinrichtungen waren über Nacht verboten! Was machen wir jetzt mit unseren Mediationsausbildungen, die kurz vorher in Stuttgart und in Hamburg erfolgreich gestartet waren? Verschieben, bis der ganze Spuk vorbei wäre? Oder lag inmitten dieser Misere vielleicht auch eine Chance, neue Wege in der Mediationsausbildung zu beschreiten?
Nicht umsonst hatten wir uns bei CONSENSUS Campus schon lange vor Ausbruch der Pandemie das Motto auf die Fahnen geschrieben: digital – international – interkulturell! Dass wir schon durchgängig das Zukunftsthema Live Online-Mediation in unser Curriculum aufgenommen hatten, kam uns jetzt zugute. Mit vereinten Kräften gelang es unserem Trainer-Team in kürzester Zeit, den gesamten Unterrichtsstoff auf interaktive digitale Formate umzustellen. Nachdem auch die rechtlichen Voraussetzungen geklärt waren (s. dazu meinen Artikel in der Fachzeitschrift Spektrum der Mediation 80/2020, zum Download hier), galt es nun, die Teilnehmenden unserer laufenden Ausbildungskurse zu überzeugen, dem interaktiven Lernen im virtuellen Klassenraum eine Chance zu geben. Hier war es uns besonders wichtig, auch in eigener Sache eine mediative Haltung zu zeigen und für jede einzelne Teilnehmerin, für jeden einzelnen Teilnehmer eine Lösung zu finden, mit der er oder sie gut leben konnte. Einige wollten im Zeitplan bleiben und dabei solange wie nötig virtuell arbeiten, einige wollten die virtuellen Module auf kleinere, leichter verdauliche Häppchen aufteilen, zwei Teilnehmer wollten auf einen späteren Kurs umbuchen – alles konnten wir wunschgemäß umsetzen.
Und dann ging sie los, unsere gemeinsame Lernreise in digitale Gefilde! Offen und neugierig machten wir uns auf den Weg, immer bereit, uns der Achterbahnfahrt der schwankenden Infektionszahlen und den unterschiedlichsten Bedürfnissen unserer Teilnehmenden anzupassen. Was haben wir uns alles einfallen lassen, um diese Reise für alle, die sich uns anvertraut haben, so sicher, so ergiebig und so kurzweilig wie möglich zu machen!
Soll Mediationsausbildung heute nun virtuell oder vor Ort stattfinden? Unsere Antwort lautet: sowohl als auch – virtuell, vor Ort, variabel und voller Vielfalt. Mediation ist in einer Zeit der Krise und Disruption wichtiger als je zuvor. Mediative und kommunikative Kompetenz wird heute von Führungskräften aller Branchen erwartet. Mediation als Beruf verzeichnet einen nie dagewesenen Boom, der vor allem auf dem Bearbeitungsstau der Justiz beruht. Der unaufhaltsame Siegeszug der Live Online-Mediation hat ganz neue Arbeitsfelder für Mediator*innen erschlossen, Tendenz: steigend. Dank professioneller digitaler Unterrichtskonzepte steht die Live Online-Mediationsausbildung der klassischen Ausbildung vor Ort in nichts nach und vermittelt sogar noch en passant die Kompetenz zur Online-Mediation in der Praxis.
Unserem Slogan „Yes, we are open!“, mit dem wir schon dem ersten Lockdown die Stirn boten, bleiben wir auch weiterhin treu: Offen sind nicht nur die Türen zu unseren Ausbildungskursen im virtuellen Klassenraum, in der Stuttgarter Königstraße, in Hamburg am Neuen Wall, in Morsum auf Sylt und neuerdings auch in Berlin Unter den Linden. Offen sind wir auch für den Blick über den Tellerrand, für aktuelle und Zukunftsthemen der Mediation, für innovative didaktische Methoden und für den ständigen Austausch mit den Teilnehmenden unserer Kurse, um ihnen maßgeschneiderte, interessengerechte Lösungen anbieten zu können. Nach einem Jahr voller Herausforderungen, die wir auf diese Weise gemeistert haben, freuen wir uns jetzt auf unsere neuen Frühjahrskurse – und auf eine Zeit, in der sich überall wieder die Türen öffnen!
Haben Sie Interesse an einer Mediationsausbildung? Erfahren Sie mehr: HIER.
Gibt es etwas Schöneres, als wenn zwei Streithähne sich nach erbitterten Auseinandersetzungen die Hand reichen? Fragt man die Absolventen der Mediationsausbildung Online von Consensus Campus, so fallen ihnen nur wenige Dinge ein. Sie kennen die typischen Strukturen, die hinter Konflikten liegen und die Fragetechniken, um die wahren Streitursachen herauszufinden. Daher sind sie in jedem Unternehmen gefragte Mitarbeiter und werden auch gerne mal von der Chefin ins Vertrauen genommen, um schwelende Konflikte zwischen Kolleg*innen von vorneherein zu schlichten.
Die Befähigung dazu erlangen sie nach einer professionellen Ausbildung von erfahrenen Mediatoren. Nach 120 intensiven Stunden mit Simulationen aus der Praxis und Case Studies aus dem Management der deutschen und internationalen Wirtschaft erhalten die Teilnehmer ein international anerkanntes Zertifikat, das sie zur Ausübung als Mediator befähigt. Sie gelten nun als zertifizierte Mediator*in gem. § 5 Abs. 2 des Mediationsgesetzes
Die Mediation gehört zu den anspruchsvollsten und interessantesten Herausforderungen einer Karriere, da sie eine gehörige Portion von Soft Skills verlangt, um einen Konflikt zu einem Mehrwert umzuwandeln. Consensus Campus vermittelt weltweit anerkannte Methoden zur Strukturierung von Konflikten und deren Beilegung durch systematische Herausarbeitung von Interessenlagen.
Consensus Campus bietet vier Ausbildungsmodule Online in einem virtuellen Klassenzimmer. So können Sie Ihren Lehrer alles fragen und sich mit Ihren Mitstudenten austauschen und wertvolle Kontakte knüpfen. Das fünfte Modul mit Abschlusskolloquium und Überreichung des Zertifikats findet unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen in physischer Präsenz statt.
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